Unentschlossenheit leicht gemacht – ein praktischer Wegweiser zu

einer lange unterschätzten Geisteshaltung

Dr. Simon von Schmid

Die folgende Anleitung soll Ihrer Person dabei behilflich sein, einem möglicherweise

im Lauf des Lebens aufkommenden Bedürfnis nach erfüllender Unentschlossenheit

möglichst erfolgreich nachzukommen.

Trägheit ist ein guter Begleiter auf dem Weg zur Unentschlossenheit. Sehr hilfreich sind

hierbei extrinsisch motivierte Tätigkeiten wie beispielsweise der von der Couch aus

visualisierte Besuch eines Fitnessstudios. Derartige Tätigkeiten machen es leicht, in einer

aufschiebenden und wartenden Haltung den Tag zu verbringen, da beispielsweise die stets

erwünschte Lebendigkeit bei dem Gedanken daran, sich ins Fitnessstudio zwingen zu

müssen, sehr schnell und zuverlässig schwindet. Es gibt so nur wenig inneren Antrieb etwas

zu tun, und die Trägheit kann sehr einfach gesteigert werden.

Sollte die Trägheit einmal nicht ausreichend stark sein, kann sie durch Zuführung externer

Substanzen wie beispielsweise Cannabis verstärkt werden. Ideal sind hohe Dosierungen

über lange Zeiträume oder aber auch der frühmorgendliche Gebrauch.

Sehr hilfreich sind auch mentale Bilanzierungen, Abwägungen darüber welche

Entscheidung langfristig die sinnvollste ist und einen maximalen Nutzen für die Person

beinhaltet.

Der Clou sind Zweifel daran, dass die getroffene Entscheidung die richtige war. So wird

zukünftige Unentschlossenheit noch attraktiver, da der letzte Entschluss vielleicht

rückblickend betrachtet nicht die beste Option war.

Eine besonders hilfreiche Form sind Selbstzweifel und Versagensängste, sie sorgen für die

nötige Schwere des Herzens.

Auch Körperhaltungen können unterstützend sein, beispielsweise eine gekrümmte,

hängende Brustwirbelsäule. Auch eine nicht aufgerichtete Lendenwirbelsäule oder ein

gewohnheitsmäßiger Blick zu Boden begünstigen das unentschlossene Verharren im

Augenblick.

Des weiteren sind Vorstellungen davon, dass Lebendigkeit und Tatkraft mit hohem

Energieverbrauch verbunden sind, sehr hilfreich. Ruhe und Stillstand hingegen regeneriert

den Körper und ist entspannend.

Diese Angst vor Energieverlust kann durch einen vorhergegangenen Burnout gestärkt

werden, da so jegliche Entscheidungen die mit Energieverbrauch einhergehen – egal ob

Tanzen, Sex, Workshops, Sport, Feiern etc. – mit Energieverlust verbunden sind und so

keine ausreichende Motivation erzeugen können.

Auch ist es hilfreich sich bei anstehenden Entscheidungen die negativen Konsequenzen

vorzustellen; die Verwicklungen, die daraus erfolgen könnten.

Unterstützend können hier vergangene Erfahrungen sein, die zu negativen Ergebnissen

geführt haben, und in die Zukunft projiziert werden.Sehr wichtig ist auch die „Erkenntnis“, dass es immer andere Menschen gibt, die besser

sind als man selbst. Dadurch wird es leichter, anderen den Vortritt bei anstehenden

Entscheidungen zu lassen.

Sehr beglückend sind auch engagierte Menschen, die Deiner Person im Zustand der

Unentschlossenheit ihre Entscheidungen abnehmen und in eine – aus ihrer Sicht – richtige

Richtung schubsen. Deine Person wird so von der schweren Last der Selbstverantwortung

bei der Entscheidungssuche1 befreit. So ergeben sich – quasi als positiver Nebeneffekt –

überraschende Situationen, die sich Deine Person selbst womöglich gar nicht hätte

ausmalen können. Warum sich nicht von den Entscheidungen anderer überraschen lassen?

Und was ist schon deins und meins? Sind wir nicht alle eins? Nicht zuletzt hilft die

Entscheidungsabgabe deiner Person angepasst und sozial kompatibel zu sein. So kann sie

frei von Schuldgefühlen gemütlich den anderen hinterher laufen und sich währenddessen in

aller Ruhe ihre Gedanken machen und von einem besseren Leben träumen…

Auch Gleichgültigkeit und bedingungslose Zufriedenheit sind treue Gefährten auf dem

Weg zur Unentschlossenheit. Akzeptanz kann sehr förderlich sein, indem auch traditionell

unerwünschte Zustände wie Trägheit und Unentschlossenheit akzeptiert werden.

Als überraschend unterstützend erweisen sich auch (spirituelle) Glaubenssätze wie: „Ich

kann nichts tun“

, „alles passiert“, und „es macht keinen Unterschied“

. Der Glaube daran,

dass alles einem göttlichen Plan folgt, hilft dabei sich nicht entscheiden zu müssen, sondern

auf Gottes Weisung zu warten.

Die höchste Form ist es schließlich, die Unentschlossenheit zu genießen: Die Leere im Kopf,

die Trägheit, die Schwere, das Nicht-Wissen, das friedliche Warten auf den richtigen

Moment, oder ein göttliches Zeichen…

Unentschlossenheit kann so einfach sein. Worauf wartest Du noch2?

Dr. Simon von Schmid Köln, den 19.Februar 2026

1 Wichtige Fußnote: Es ließe sich auch das Wort „Entscheidungsfindung“ nutzen, das wäre aber nicht

förderlich im Sinne der angestrebten Unentschlossenheit…

2 Interessiert an Coachings, Workshops & Ausbildungen zum Thema Unentschlossenheit? Warte

noch ein Weilchen und stelle erstmal eine unverbindliche Anfrage unter:

UnentschlossenheitJETZT@riseup.net